Die Entstehungsgeschichte der Weihnachtskrippen

Über das erste Auftreten einer Weihnachtskrippe gibt es keine gesicherten Nachweise. Sie ist aber sicherlich nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt und Anlass entstanden, sondern blickt auf eine lange Entwicklung zurück. Vorläufer der Weihnachtskrippe waren bildliche Darstellungen, die Themen aus der Kindheitsgeschichte Jesu zeigten. Hauptwurzel der Krippen war das geistliche Schauspiel. Es entstand aus dem liturgischen Wechselgesang und stellte die Geschehnisse der Heiligen Nacht bis zur Passion dar. Hier ist vor allem Franz von Assisi zu erwähnen, der im Jahr 1223 in einer Höhle bei Greccio das Weihnachtsfest feierte. Er richtete eine Futterkrippe auf und daneben einen lebendigen Ochsen und Esel. Vor dieser Höhle hielt Franziskus seine Weihnachtspredigt, "um den des Lesens nicht Mächtigen die Weihnachtsgeschichte verständlich zu machen".

Bedeutsam für die Entwicklung der Krippe war das Jahr 1291. Der Kanoniker Pandolfo stiftete eine Kapelle im Seitenschiff von St. Maria Maggiore in Rom mit einem Altar von verstellbaren Alabasterfiguren des Florentiner Bildhauers Arnolfo di Cambio. Sie gilt als die älteste erhaltene Krippe der Welt. Die Verwendung von Holzfiguren ist seit dem 15. Jahrhundert bezeugt. Die Krippe als eigenständiger Typus kann seit Mitte des 16. Jahrhunderts in italienischen, spanischen und süddeutschen Kirchen nachgewiesen werden. Die größten Förderer der Krippenkunst waren die Jesuiten. 1560 erschien in Coimbra (Portugal) die erste Krippe des Ordens. Zwei Jahre später stellten sie zum ersten Mal nördlich der Alpen ihre Weihnachtskrippe aus und legten somit den Grundstein für plastische Kirchenkrippen in Deutschland. Diese Art der Krippen fand in den folgenden Jahrzehnten weitere Verbreitung. Krippen waren bis zu dieser Zeit ausschließlich Angelegenheit der Kirche, wurden jedoch auch zunehmend in Privathäusern aufgestellt.

Auf ihrem Entwicklungsweg über Residenzen der Könige, Fürsten und des Adels fand die Krippe schließlich auch Einzug in die Bürger- und Bauernhäuser. Ihre Blütezeit erlebte die Weihnachtskrippe im 18. Jahrhundert. Im Zeitalter der Aufklärung wurden öffentliche Krippenausstellungen verboten. Viele Kunstwerke wurden aus den Kirchen entfernt und gingen wohl auch verloren. Das Volk ließ sich "seine" Krippen aber nicht mehr nehmen und so wurden sie noch stärker in der Volkskunst verankert. Besonders in Gebirgsgegenden (Alpen, Schwarzwald, Erzgebirge...) verdienten sich die Bewohner in den langen dunklen Wintermonaten etwas Geld durch Krippenschnitzerei. Durch die wachsende Industrialisierung gelang es mehr und mehr, Krippenfiguren in Manufakturen und so in Serie herzustellen (z. B. aus Pappmaché, Steinzeug, Zinn o. ä.). So wurde sie auch für die ärmeren Leute erschwinglich.

Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Krippenlandschaft. Die Krippenbauer passten sie immer öfter den örtlichen Gegebenheiten an. Die Krippen gewannen zunehmend volkstümlichen Charakter. Das Weihnachtsgeschehen wurde in heimische oder auch in Phantasielandschaften verlegt und ideenreich mit immer aufwendigeren Details versehen. Zu den Figuren, von denen die Weihnachtsgeschichte der Bibel berichtet, kamen Menschen aus dem gegenwärtigen Alltag mit ihrem Stand, ihren Berufen, ihrer Mode... Durch die weltweite Verbreitung des christlichen Glaubens gelangte die Weihnachtskrippe bald auch in außereuropäische Länder.

Besonders hervorzuheben ist dabei u. a. Peru mit seiner eigenen Krippentradition. Inzwischen hat sich die Krippenkunst auf der ganzen Welt verbreitet. Wurden früher häufig die früheren europäischen Formen und Muster übernommen, werden zunehmend die Figuren und das Weihnachtsgeschehen mit der eigenen Tradition vermischt und in den jeweils landestypischen Materialien, Farben und Formen gestaltet.