Europäische Route der Backsteingotik

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Die Heilig-Geist-Kirche wird als Hospitalstiftung erstmalig 1308 erwähnt. Der vorhandene Bau wurde 1313 begonnen. Das zweigeschossige Gebäude ist im Stil der gotischen Backsteinarchitektur als erstes städtisches Krankenhaus und Pflegeheim erbaut worden. Der Erhaltungsgrad typologisch frühgotischer und bis heute unverfälschter Backsteinbaukunst eines innerstädtischen Profanbaus ist hier als ein herausragender Wert gewürdigt. Die Qualität dieser Bauteile verweist auf die Beteiligung unbekannter aber erfahrener Baumeister, deren Baukunst zuvor vermutlich an sakralen Bauaufgaben oder im Burgenbau geschult sein mag. Ab 1524 ist die Nutzung des Hauses als Kirche bekannt, in der 1525 der erste Lutherische Gottesdienst in Güstrow gefeiert wurde. Von 1824 bis 1945 wurde sie als Kirche für das Landarbeitshaus im Güstrower Schloss genutzt. Bis 1973 war die Kapelle Gotteshaus für die Güstrower Gemeinde, danach wurde sie wegen Baufälligkeit als Baudepot genutzt. 1991 bis 1993 wurden Sicherungsmaßnahmen erforderlich, da sich der Giebel des Gebäudes mehr und mehr zur Straße neigte.

Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 2005 bis 2007 öffnete im Dezember 2007 das Norddeutsche Krippenmuseum seine Pforten. Es beherbergt die umfangreiche Sammlung von Weihnachtskrippen aus aller Welt, Eigentümer der Kirche ist die Weihnachtskrippen in Heilig Geist - Mechthild und Dr. Rudolf Ringguth-Stiftung. Die Sanierung wurde über die Städtebauförderung mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Barlachstadt Güstrow und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert.

Besonderheiten Kuriositäten, Spezielles, durch die sich das Objekt von anderen abhebt

Erwähnenswert sind die barocke Bohlendielendecke mit illusionistischer Kassettierung sowie Reste eines gotischen Randfrieses, die wie Fragmente einer Kreuzigungsdarstellung in Secco-Technik im Altarraum und eine symbolische Heilig-Grabanlage bei der letzten Renovierung in den Jahren 2006/2007 freigelegt wurden.

Der Bau besitzt eine für städtische Hospitalbauten außergewöhnliche Qualität, die in ihrer ehemals zweigeschossigen Struktur der architektonischen Idealform von Konventshäusern verschiedener Orden entspricht. Bauforscher Schumann sagt: " Es gibt für diesen Hospitalbau in seiner ursprünglichen Form keine bisher bekannte Parallele in der städtischen norddeutschen Backsteinarchitektur, was diesen Bau mit seiner umfangreichen Originalsubstanz zu einem bedeutenden mittelalterlichen Baudenkmal in Mecklenburg-Vorpommern macht . . .

An der nördlichen Westwand befand sich eine ehemals flach überwölbte, mit einem Rauchabzug versehene Küchensituation, die zwar nachträglich eingebracht, aber noch längere Zeit im Mittelalter benutzt wurde. Nach Freilegungsarbeiten sind der Rauchabzug und eine Abstellnische im Zuge der Sanierungsarbeiten gefestigt und die Herdnische wieder sichtbar gemacht. "

 Vor der Kreuzigungsgruppe wurde nachträglich ein kleines Kellergewölbe eingebaut. Die Untersuchungsergebnisse stützen die Hypothese, dass es sich hierbei um eine symbolische Heilig-Grabanlage handelt, nach dem Vorbild des in den Evangelien erwähnten Felsengrabes vor den Mauern des alten Jerusalem in das Jesus Christus nach der Kreuzabnahme gelegt wurde. Das bauarchäologische Gutachten würdigt Erhaltungszustand und Zeugniswert: Über die Heilig-Grabanlage führt Bauforscher Schumann folgendes aus: "Der Einbau einer Grabanlage im 15. Jh. gab dem Kapellenraum eine inhaltliche und funktionale Aufwertung, doch die gewölbte Anlage geht weit über einen normalen Grabeinbau hinaus. Er besaß in seiner nördlichen Stirnwand eine verschließbare Schranknische sowie eine kleine Fensteröffnung, die den Angeln zufolge ebenfalls verschließbar war. Durch diese Öffnung konnte man vom Kirchenraum aus in diesen eingetieften Raum hineinschauen, denn er reichte über das mittelalterliche Fußbodenniveau. In ihrer Vollständigkeit muss die Güstrower Anlage jedoch als eine der besterhaltenen gelten, denn die vorhandenen Baudetails machen die ursprüngliche liturgische Nutzung nachvollziehbar. Wahrscheinlich entstand die Anlage mit dem Recht, am Altar der Kapelle die heilige Messe zu vollziehen."

Ein vergleichsweise geringes Budget für die Bausanierung verwies etwa denkbare Sonderwünsche des "Event-Zeitalters" ins Aus. Sowohl technischer als auch dekorativer Überschwang hatten keine Chancen. Die sprichwörtliche Tugend der Sparsamkeit erzwang in positivem Sinne, die verbliebenen  bau- und kunsthistorisch sehr wertvollen Bauteile und Fragmente aus sieben Jahrhunderten im Original zu bewahren. Mit der Eröffnung des Norddeutschen Krippenmuseums konnte ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte geöffnet werden, das mit seinen Spuren aus über sieben Jahrhunderten selbst eine Geschichten erzählende Sammlung ist.